Museale Sammlungen

Die Geschichte der Musealen Sammlungen reicht bis in das 19. Jahrhundert und damit vor die Gründung des Deutschen Bergbau-Museums zurück. 1868 richtete die Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK) die ständige Ausstellung „Bergbauliche Utensilien“ ein, die Anschauungsmaterial westfälischer Bergschulen für die Ausbildung von Bergleuten zeigte.

Seit dieser Zeit sind die Sammlungen stetig erweitert worden und unter veränderten Anforderungen neue Sammlungsschwerpunkte hinzugekommen.

Durch seine nationalen und internationalen Aktivitäten konnte das DBM seine montangeschichtlichen Sammlungen über den deutschsprachigen Raum hinaus ausdehnen, so dass nicht nur regionale Bergbauschwerpunkte, sondern auch ein überregionales Spektrum der Entwicklung der Montantechniken und -kulturen vom Beginn bergbaulicher Aktivitäten bis in die heutige Zeit repräsentiert werden.
Einen weiteren Sammlungsschwerpunkt bilden mineralische Rohstoffe, Mineralstufen, Fossilien (Versteinerungen) und Gesteine, die weitgehend aus den genannten Regionen mit einem Schwerpunkt auf die Steinkohlenlagerstätte an der Ruhr stammen. Auch diese Sammlungen reichen bis weit in das 19. Jahrhundert zurück.

Die Musealen Sammlungen sind auf einer oberen Ebene in acht Sammlungsschwerpunkte gegliedert, wobei hinsichtlich des Bedeutungszusammenhangs einzelner Sammlungsobjekte teilweise fließende Übergänge bestehen.


Bergtechnische Sammlung zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen

Bergtechnische Sammlung zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen

Um mineralische Rohstoffe im Tiefbau, im Tagebau oder durch Bohrungen zu erschließen, um diese abzubauen und vom Gewinnungsort abzutransportieren, bedurfte es von jeher entsprechender technischer Hilfsmittel. Dies gilt für alle Epochen, in denen Bergbau betrieben wurde, und sämtliche Arten mineralischer Rohstoffe (z.B. Kohle, Erz, Kali, Salz etc.). Die Sammlungen zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen umfassen Objekte, die einzelne Bereiche dieser engeren bergtechnischen Praxis repräsentieren. So wird z.B. die Auffahrung von Grubenräumen durch einfache, steinzeitliche Hacken über Bohr- und Sprengtechniken bis hin zur modernen Teilschnittmaschine repräsentiert. Die eigentlichen Gewinnungswerkzeuge reichen von klassischen Schlägel und Eisen bis zu aktuell eingesetzten, viele Tonnen schweren Walzenschrämladern. Darüber hinaus sind zahlreiche Techniken erforderlich (z.B. Bewetterung, Wasserhaltung usw.), um Bergwerke begehbar zu machen oder zu erhalten bzw. um diese als Produktionsstätten zu sichern. Auch diese Techniken werden durch Objekte repräsentiert, ebenso wie der Materialtransport, die Rohstoff- und Bergeförderung sowie unterschiedliche Methoden der Fahrung (Personentransport).

Sammlung der erweiterten bergtechnischen Praxis

Sammlung der erweiterten bergtechnischen Praxis

Wenngleich die Gewinnung von Rohstoffen das primäre Bergbauziel ist, wurden wegen der besonderen Anforderungen im Bergbau zahlreiche innovative, sehr spezifische Technologien einer erweiterten bergtechnischen Praxis hervorgebracht und weiterentwickelt. Hierzu zählen u.a. die Bergvermessung (Markscheidewesen), das Rettungswesen, der Atemschutz, das Grubengeleucht, die Kommunikation und Fernwirktechnik usw. Verschiedene Spezialsammlungen repräsentieren diese Techniken und deren Entwicklung.

Sammlung zur Technik der Aufbereitung und Veredelung von Rohstoffen

Sammlung zur Technik der Aufbereitung und Veredelung von Rohstoffen

Eine effektive Wertschöpfung lässt sich in der Regel nur durch die an eine Gewinnung anschließende Aufbereitung oder Veredelung eines zuvor im Bergbau gewonnenen Rohstoffs realisieren. Meist findet diese Aufbereitung bei den Bergwerken oder ganz in der Nähe statt und erfordert spezielle technische Einrichtungen oder Industrieanlagen. Zerkleinerungs-, Klassier-, Anreicherungs- sowie Wasch- und Sortiereinrichtungen sind teilweise im Original oder als Modelle vorhanden. Ein Sammlungsschwerpunkt liegt bei der Steinkohle, nämlich bei deren thermischer Veredelung durch Verkokung einschließlich der chemischen Veredelung der seit Ende des 19. Jahrhunderts gewonnenen Nebenprodukte. Daneben gehören auch die Erzaufbereitung, die Soleanreicherung sowie Objekte zur Brikettierung von Braunkohle zu diesen Sammlungen.

Alltagsgeschichtliche Sammlung

Alltagsgeschichtliche Sammlung

Im Gegensatz zu den bergtechnischen Sammlungen repräsentieren die Objekte der alltagsgeschichtlichen Sammlung die gesellschaftlich-kulturellen, primär lebensweltlichen Aspekte des Bergbaus. Hierzu zählen persönliche Gegenstände wie die berufsspezifische Kleidung und begleitende Objekte (z.B. Trinkflaschen, Brotdosen, Schnupftabaksdosen etc.), Belege der lokalen Volks- und Laienkunst, Werbemittel, Traditions- und Identifikationsgegenstände (auch Devotionalien) usw. Hervorzuheben sind auch persönliche, zumeist zerstörte Gegenstände, die nach Grubenunglücken geborgen werden konnten.

Ständisch-bürgerliche Sammlung

Ständisch-bürgerliche Sammlung

Bereits seit den 1940er Jahren ist die bergbauliche Kunst und Kultur ein Sammlungsschwerpunkt des DBM. Die ältesten künstlerischen Bergbaudarstellungen, die hier verwahrt werden, reichen bis in die Antike zurück. Seit der Neuzeit wurden neben Malereien zahlreiche Objekte mit Bergbaudarstellungen aus unterschiedlichen, meist hochwertigen Materialien geschaffen (Gläser, Porzellane, Schnitzereien, Handsteine, Prunkobjekte aus Metallen usw.). Diese sind zumeist in Zeiten ständisch-bürgerlicher Prägung des Bergbaus entstanden und als Ausweis einer meist idealisierten, stände- bzw. klassendifferenzierenden Wahrnehmung des Bergwesens anzusehen. Im Zuge der Hochindustrialisierung setzte eine kritische Betrachtung des Bergbaus in künstlerischen Werken vor allem im späten 19. Jahrhundert ein. Viele Objekte z.B. aus Zinn sowie bergbauliche Gepräge symbolisieren darüber hinaus die besondere Wertschätzung der Rohstoffe bzw. der daraus geschaffenen Produkte.

Sakral-transzendentale Sammlung

Sakral-transzendentale Sammlung

Besonders in den Lagerstättenrevieren Mitteleuropas hat der christliche Glaube stets eine große Rolle im Leben der Bergleute und bei der Bewältigung der Arbeit mit ihren spezifischen Gefahren gespielt. Entsprechende Symbole und Objekte haben ihren festen Platz in der Pflege bergbaulicher Tradition und Kultur gefunden. Objekte mit Bergbau-Symbolen und -Darstellungen verbreiteten sich nicht nur in Kirchen und Kapellen, sondern wurden auch bei kirchlichen Prozessionen oder bei Begräbnissen verwendet. Vor allem die Heilige Barbara, die von den Bergleuten noch heute als Schutzpatronin verehrt wird, ist innerhalb dieses Sammlungsschwerpunkts zahlreich vorhanden. Ergänzt wird dieser Schwerpunkt durch die Nemitz-Stiftung St. Barbara mit etwa 400 Darstellungen der Heiligen Barbara aus dem 15. Jahrhundert bis in die heutige Zeit.

Mineralogische Bergbausammlung

Mineralogische Bergbausammlung

Die Wurzeln der mineralogischen Sammlungen liegen mehr als 150 Jahre zurück und sind eng an die frühe Entwicklung der ehemaligen Westfälischen Berggewerkschaftskasse (WBK) geknüpft. Während zunächst Mineral- und Erzstufen sowie Gesteine aus den heute meist klassischen Lagerstätten (z.B. im Ruhrgebiet, Erzgebirge, Harz, Siegerland usw.) gesammelt wurden, stehen seit geraumer Zeit die in den Forschungsvorhaben des DBM relevanten Rohstoffgrundlagen im Vordergrund. Die mineralogischen Sammlungen sind inzwischen auf internationale Lagerstätten erweitert. Zur Ausbildung von Bergingenieuren und Bergleuten konnten an den Bergschulen Sammlungen nach mineralogischer Systematik zur Ausbildung angelegt werden, diese sind heute im DBM zusammengeführt.

Geologisch-paläontologische Bergbausammlung

Geologisch-paläontologische Bergbausammlung

Die Einrichtung von geologisch-paläontologischen Sammlungen wurde bereits kurz nach der Gründung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse (WBK) eine Grundlage zur Erforschung des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlengebiets sowie für die Ausbildung von Bergingenieuren. Die Sammlungstätigkeit wurde im Wesentlichen bis in die 1970er Jahre aktiv fortgeführt. Somit sind vor allem das oberkarbonische Gebirge und das Deckgebirge von der Oberkreide bis zum Quartär sehr gut dokumentiert. Auch wegen der Einrichtung eines seit 1919 öffentlich zugänglichen geologischen Museums wurde die Sammlung überregional und um Zeugnisse anderer Erdzeitalter erweitert. Stücke aus der Sammlung bilden von jeher die Basis für wissenschaftliche Forschungen und sind entsprechend publiziert.