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DFG-Forschungsprojekt zur Geschichte der Silikosebekämpfung gestartet

Der DBM-Forschungsbereich Bergbaugeschichte startet in Kooperation mit dem Historischen Institut der Ruhr-Universität Bochum ein Forschungsprojekt zur Geschichte der Silikose (Staublunge) im westdeutschen und britischen Steinkohlenbergbau nach 1945. Im Mittelpunkt des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Vorhabens stehen dabei die medizinischen, technischen und sozialen Fragen im Hinblick auf die gesundheitliche Prävention am bergmännischen Arbeitsplatz.

Im Rahmen des Forschungs- und Dissertationsprojekts „Partizipative Risikopolitik? Die Regulierung der Silikose im westdeutschen und britischen Steinkohlenbergbau“ soll am Beispiel der Silikosebekämpfung nachvollzogen werden, wie sich Politik und Wissenschaft während der sozialstaatlichen Expansion nach dem Zweiten Weltkrieg vermengten. Die Rolle der medizinischen und technischen Expertinnen und Experten wurde dabei neu ausgerichtet. Politische Entscheidungsträger begaben sich angesichts immer komplexerer Sachverhalte in höhere Abhängigkeit von wissenschaftlicher Expertise.

Ein sich wandelndes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und ungelöste Probleme wie die exponentielle Zunahme gemeldeter Silikosefälle nach 1945 erhöhten zugleich den Legitimationsdruck auf die Ärzteschaft und die Verantwortlichen für gesundheitliche und technische Prävention gegen die schädlichen Einwirkungen am Arbeitsplatz. Während die Vermeidung von Unfällen schon länger auf den Agenden der Sozialversicherungen stand, stieg erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Bewusstsein für chronische Leiden durch (Umwelt-)Belastungen der Arbeit. Zeitgleich stiegen die Ansprüche der Betroffenen an die Leistungsfähigkeit des Vorsorge- und Wohlfahrtsstaates.

Während der demokratische Aufbruch der jungen Bundesrepublik den Bürgerinnen und Bürgern weitreichende Partizipationsmöglichkeiten in der sonst weitgehend unveränderten Ordnung des Sozialversicherungswesens versprach, übernahm in Großbritannien durch die Nationalisierung des Steinkohlenbergbaus der Staat die unmittelbare sozialpolitische und ökonomische Verantwortung. Auch dort waren die Bergleute jedoch teilweise in die risikopolitischen Prozesse eingebunden. Im Forschungsprojekt sucht man deshalb nach den Leitbildern und Normen der verschiedenen Akteure im Hinblick auf die Gefahren der Erwerbsarbeit und beleuchtet ihre Netzwerke und Institutionen sowie ihre Teilhabemöglichkeiten im System der sozialen Sicherung. Vor dem Hintergrund der langen Latenz der Silikose und einer unklaren Wissenslage soll die Praxis der Risikoregulierung in der Nachkriegszeit analysiert werden. Besonderes Interesse gilt dabei der jeweiligen Handlungs-, Deutungs- und Entscheidungsmacht der beteiligten Akteure.


(Quelle: Lars Bluma/Daniel Trabalski)

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier: Partizipative Risikopolitik? Die Regulierung der Silikose im westdeutschen und britischen Steinkohlenbergbau


30. Dezember 2016